Eisdorf

Ortsteil der Gemeinde Bad Grund (Harz) • Landkreis Göttingen

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Eisdorfer Filmemacher Patrick Vollrath hat Chance auf seinen zweiten Oscar

Eisdorfer Filmemacher Patrick Vollrath

Petra Pinnecke und Patrick Vollrath freuen sich über die Ehrung, dem Oscar der Ortschaft Eisdorf. Foto: Bordfeld

Er weiß nicht, ob seine Liebe zum Film schon beim Spielen mit Playmobil oder beim Mitwirken im Schultheater des Tilmann-Riemenschneider-Gymnasiums Osterode begonnen hat. Im Prinzip könnte es alles gewesen sein, was ihm den Weg in die Berufswelt des Regisseurs und Drehbuchautors vorgezeigt hat, der am 28. Februar zu einer Oscar-Verleihung nach Hollywood führen kann. Die Rede ist von Patrick Vollrath, der an einem Februartag vor 30 Jahren in Osterode das Licht der Welt erblickte, in Eisdorf aufwuchs, nie den Kontakt zu seiner Ortschaft und Familie vernachlässigt hat und jetzt von Ortsbürgermeisterin Petra Pinnecke im Namen aller Eisdorfer geehrt wurde.

Bis zu dem Ereignis in seinem Heimatort und vermutlich auch in Los Angeles, galt es aber erst einmal, ein Ziel vor Augen zu haben. Das begann bereits damit, als er für die Theater-AG des Osteroder Gymnasiums „Andorra“, das Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, inszenierte. Weil ihm dabei die Idee kam, eine filmische Rahmenhandlung da herum zu bauen, nahm er kurzentschlossen die Videokamera in die Hand. Daran erinnert sich seine Großmutter Anni sehr gerne, weil sie da zum ersten Mal vor der Kamera stand und bei der Aufführung in der Stadthalle Osterode in Großaufnahme zu sehen war.

Nach dem Abitur leistete er erst einmal seinen Zivildienst ab. Danach brach er nach München auf, um dort bei der Firma Arri den Beruf des Film-Video-Editors zu erlernen. Als er nach dreijähriger Ausbildung seinen Beruf in der Tasche hatte, begab er sich nach Wien, wo er den Beruf des Filmregisseurs studierte und so „nebenbei“ auch schon Drehbücher schrieb. Er hatte sich für die Bundeshauptstadt von Österreich entschieden, um dort Regie zu studieren und um Leute kennenzulernen, die auch Filmideen hatten. Im Januar 2015 hatte er dann die Prüfung in der Tasche und zwei Monate später das Zeugnis mit Auszeichnung  in der Hand. Jetzt ist er Regisseur und Drehbuchautor.

Bis dahin galt es allerdings für ihn, alle halbe Jahre ein Drehbuch zu schreiben und damit einen Film zu produzieren, der dann von der Akademie-Jury bewertet wurde. Dafür brauchte er ein Team vor und eines hinter der Kamera. Mit Letztgenannten nahm er auch seinen Film „Alles wird gut“ in Angriff. Bis zum ersten Drehmoment ereignete sich aber noch einiges, was zu diesem 30minütigen Streifen führte, der ihm bereits den bronzenen Studenten-Oscar der Academy Award in Los Angeles eingebracht hat.

Für das Entstehen des Drehbuches sorgten die Medien mit der Berichterstattung über ein Ereignis, dass Patrick Vollrath veranlasste, den Stift in die Hand zu nehmen. Weil ihm aber das bislang Gehörte und Gesehene nicht ausreichte, machte er sich auf die Suche nach Leuten - von Psychologen über die Polizei bis hin zu Betroffenen – um von ihnen noch mehr über das Geschehen zu erfahren, was die Aussagekraft und das Hintergrundgeschehen des Films noch stärkte. dem Film. Aus seinen Infos und der Geschichte, welche das Leben vorgegeben hatte,  entstand das Drehbuch zum Film: Ein Wochenendvater entreißt seiner Ex-Frau die gemeinsame Tochter und will sie entführen.

Nun galt es aber erst einmal, Menschen zu finden, welche sich vor der Kamera bewegen und das Drehbuch überzeugend  in Szene setzen wollten und letztendlich auch konnten. Bei der Suche nach dem erwachsenen Hauptdarsteller stieß  der Eisdorfer auf den österreichischen Schauspieler Simon Schwarz, der sich bestimmt nicht ausnahmslos beim „Tatort“ einen Namen gemacht hat, sondern bei mindestens 100 anderen Filmproduktionen. Zu dieser Besetzung kam es über eine Freundin des jungen Filmemachers, die mit Simon Schwarz schon gearbeitet hat, und den ersten Kontakt zwischen dem Filmemacher und dem Schauspieler organisierte. Da der sehr gefragte Schauspieler genauso viele Tage Zeit hatte, wie für den Dreh von „Alles wird gut“ eingeplant waren und die Geschichte beim Lesen bei ihm die Lust des Mitmachens weckte, war er dabei.

Für das kleine Mädchen Lea wurden diverse junge Bewerberinnen gecastet. Unter ihnen war auch die zur Drehzeit achtjährige Julia Pointner, die heute zehn Jahre alt ist. Sie überzeugte Patrick und dessen Team mit ihrem Auftreten so sehr, dass sie die Rolle bekam. „Sie ist ein richtiges Naturtalent“,  so Vollrath über den kleinen Star, der zum ersten Mal vor der Kamera gestanden hatte.

Nun war fast alles perfekt, nur die Drehorte mussten noch gefunden und die Erlaubnis, dort auch zu filmen, eingeholt werden. In beiden Punkten gab es keine Probleme, ob das nun das Hotel oder der Flughafen waren. An den Orten fiel das kleine Team gar nicht so sehr auf, was dem Film sehr gut tat.

Als der  dann im Kasten war und die Wiener Akademie ihn gesehen hatte, fassten die Verantwortlichen den Entschluss, eben diesen Streifen gen Los Angeles zur Academy of Motion Picture Arts and Sciences zu schicken.  Genau dieser Schritt sollte ihm im September 2015 den Studenten-Oscar einbringen. Aber auch beim Kurzfilmwettbewerb der Semaine de la Critique in Cannes stieß  „Alles wird gut“ auf große Aufmerksamkeit.

Mittlerweile ist das Werk von Patrick Vollrath bereits unter den letzten zehn Hollywood-Favoriten, aus denen das Oscar-Komitee die fünf Kandidaten für den Oscar in der Kategorie Bester Kurzfilm (best live action short film) nominiert werden. Die Entscheidung wird am 14. Januar bekanntgeben. Die Preisvergabe erfolgt dann am 28. Februar. Vielleicht gehört Patrick Vollrath zu den Oscar-Gewinnern. Gewonnen hat er jedenfalls schon beim Publikum aus dem Kreis Osterode. Denn er stellte in zwei Sälen des Herzberger Kinos nicht nur seinen Favoriten, sondern auch diverse andere Eigenproduktionen vor. Und allein dabei hatte er viele neue Fans gewonnen, die ihm die Daumen drücken werden.

Daumen wird ihm auch Ortsbürgermeisterin Petra Pinnecke drücken, die es sich nicht hatte nehmen lassen, ihm das Ehrenglas und eine Urkunde zu überreichen, wie sie traditionsgemäß anlässlich der Ehrung von verdienten Eisdorferinnen und Eisdorfer am 9. Januar vornehmen wird. Sie zog diese Übergabe aus dem Grund vor, weil Patrick Vollrath an dem Tag wieder in Wien sein wird. pb