Jörg Bolle, Petra Pinnecke, Birgit Roth und Fred Langner (v. l. n. r.) hätten sich über größeres Interesse zum Thema Dorferneuerung sehr gefreut. Foto: Bordfeld

Eisdorf (pb). Die Verwaltung der Samtgemeinde Bad Grund hatte zu einem Informationsgespräch zum Thema „Dorferneuerung Eisdorf“ mit Vertreterinnen des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen/Northeim (LGLN, zuvor GLL) ins Kultur- und Sportzentrum (KuSZ) geladen. Doch hätte eine kleinere Räumlichkeit auch ausgereicht. Denn neben einigen Mitgliedern des im Oktober 2008 gegründeten Arbeitskreises waren zwei interessierte Bürger, Bürgermeisterin Petra Pinnecke, der zuständige Architekt Jörg Bolle, Birgit Roth und Manuela Meyer vom LGLN sowie von der Samtgemeindeverwaltung Fred Langner und Nadja Winkel dieser Einladung gefolgt. Doch auch in dieser kleinen Gruppe waren die Meinungsverschiedenheiten nicht zu überhören.

Denn nicht „nur“ der Arbeitskreis war sich einig, dass irgendetwas falsch gelaufen ist und es schwer sein dürfte, wieder auf Kurs zu kommen. Am Ende ging man aber mit dem Gedanken auseinander, jene Bürger anzusprechen, die bereits etwas aus dem finanziellen Dorferneuerungs-Topf des Landes Niedersachsen erhalten haben. Im Gespräch müsse es doch möglich sein zu erfahren, ob es sich lohnt, alle Vorhaben für mindestens ein Jahr auf Eis zu legen. Denn vorher dürften keiner Gelder mehr fließen.

Eingangs schaute Petra Pinnecke auf die schon recht lange Geschichte der Dorferneuerung Eisdorf zurück, die unter der Überschrift „Dörfer wollen ihre Mitte retten!“ als Modellprojekt “Umnutzung landwirtschaftlicher Altgebäude und Hofanlagen“ niedersachsenweit gestartet wurde. Eisdorf war eines der zwölf dafür auserwählten Projekte.

Da zugesagt wurde, dass es von der Leibniz-Universität in Hannover wissenschaftlich begleitet wird, schauten zu Beginn der Planungsphase vor etwa zwei Jahren auch Professor Voß, Professor Güldenberg und weitere Kollegen vorbei. Kurze Zeit später wurde das Planungsbüro Oecoplan durch den Verwaltungsausschuss der Gemeinde Eisdorf ausgewählt, und im April 2009 fand dann im KuSZ die erste Bürgerversammlung statt, zu der sich viele Eisdorfer einfanden. Sie wollten sich über die privaten und öffentlichen Maßnahmen informieren und ihr Interesse an der Arbeit im neuen „Arbeitskreis Dorferneuerung“ bekunden. Der wiederum fand sich einen Monat später zur ersten Sitzung am zusammen.

Mittlerweile haben sich 15 Mitglieder des Arbeitskreises im Interesse der Dorfbegehung 14 Mal getroffen und viele gute Ideen dabei ausgearbeitet. Der unter wesentlicher Beteiligung des Arbeitskreises erarbeitete Dorferneuerungsplan wurde im Juni von der LGLN als Fördergrundlage zunächst bis 2016 anerkannt und seitens des Eisdorfer Rates im September einstimmig angenommen. Allerdings stand schon im Mai 2011 fest, dass für private Maßnahmen in diesem Jahr keine Zuschüsse mehr gezahlt werden könnten, weil Kürzungen der anteiligen Mittel durch den Bund vorlagen. „Diese Tatsache machte die Eisdorfer Bürger nicht besonders glücklich. Um nicht zu sagen, sie waren schwer enttäuscht!“, so Petra Pinnecke weiter.  Es ist verständlich, dass viele AK-Mitglieder oder auch Eisdorfer Bürger ärgerlich sind. Sie fragen sich, warum sie Stunde um Stunde diskutiert und geplant haben und dabei auch viel Geld ausgegeben wurde. Soll jetzt war alles nur heiße Luft sein?  „Trotzdem lassen wir, die Ratsmitglieder, nicht nach, die Bürger zu ermuntern“ so die Bürgermeisterin abschließend.

Birgit Roth von der LGLN zeigte sich recht enttäuscht über das geringe Interesse der Eisdorf in Sachen Dorferneuerung, denn die sei gerade aus dem Blickwinkel des demografischen Wandels sehr wichtig. Aber nicht nur das Interesse an diesem Infoabend sei nicht gerade überwältigend. Gleiches gelte für die bislang eingegangen Anträge auf Bezuschussung, die sich auf vier Stück belaufen. Sie versicherte, dass so von scheinbarem Desinteresse geprägte Stimmung in den anderen Dörfern nicht vorherrsche. Dort hätten sich Gemeinschaften zusammengetan und sehr viel in Eigeninitiative auf die Beine gestellt. Auch wenn das Gerücht immer wieder auftauche, die Dorferneuerung sei in keinem Falle tot. Sie brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass im kommenden Jahr der finanzielle Schimmel wieder etwas auf Trab gebracht werden könnte.

Frank Brakebusch wiederum mahnte an, dass die in den vergangenen dreieinhalb Jahren eingefahrenen Erfolge im Rahmen der Dorferneuungsplanung äußerst dünn seien. Der Arbeitskreis habe sich sehr stark gemacht, aber wenn kein Geld da ist, wächst die Frustration eines jeden Einzelnen. Ihm falle es jedenfalls jeden Tag schwerer, sich für die Dorferneuerung einzusetzen.

Fred Langer rief dahingegen dazu auf, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern sich in Geduld zu fassen und die Anträge in jedem Falle zu stellen. Es gelte, darüber auch Bedarf zu dokumentieren. In dem Zusammenhang bat Brakebusch darum, doch mal mit den Bürgern zu sprechen, die mit ihren Anträgen Erfolg gehabt hatten und Sanierungen vorgenommen haben.

Der Architekt stimmte diesem Vorschlag zu, der sei der richtige Weg. Auf die Frage einer interessierten Einwohnerin, wer letztendlich den Antrag mit einem Ja oder Nein versehe, verwies Birgit Roth darauf, dass die Tatsache eine entschiedene Rolle spiele, ob es sich um ein Landwirtschaftliches Gebäude handelt oder nicht

Herbert Lohrberg machte seine Enttäuschung darüber kund, dass man mit dem Dorferneuerungsplan viel Geld in die Hand in die Hand genommen hätte, sich aber bis heute nichts Wesentliches in Eisdorf getan habe.

Bolle wiederum kam auf eine positive Lösung eines leer stehenden Gebäudes zu sprechen. Denn die Bausubstanz der alten Tischlerei sei mittlerweile wieder mit Leben gefüllt, was übrigens auch die die Villa Lampe gelte.