Ortsrat Eisdorf pb

Der Ortsrat und Gemeindebürgermeister Harald Dietzmann im Gespräch mit den Gästen aus Göttingen. Foto: Petra Bordfeld

Es ist schon ein gutes Jahr her, da durchstreiften Maike Simmak und Andreas David Schmidt, beide von dem Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) Eisdorf, um die Bürger zu der Teilnahme an einer Befragung zum Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ einzuladen. Die beiden war das Forschungsteam noch einmal, zusammen mit Prof. Dr. Berthold Vogel, gekommen, um dem Ortsrat zu erzählen, ob und warum die Eisdorfer ihren Ort so charmant finden.

Maike Simmak betonte, dass sich gleich nach der Auswertung der Antworten ein erfreuliches Ergebnis zeigte. „Denn Eisdorf weist im Vergleich mit den insgesamt zwölf Orten, an denen die Regionalpanel-Befragung durchgeführt wurde, die höchsten Zusammenhaltswerte auf!“ Zudem sei die Verbundenheit mit dem Wohnort hier im Vergleich zu Bundesland, Deutschland und EU deutlich am höchsten.

Und das Ergebnis freute nicht „nur“ die Forscher/innen, sondern insbesondere auch die ehrenamtlichen, politischen Vertreter/innen. Denn mit der Kinderbetreuung und der Grundschule bestand große Zufriedenheit. Hier waren am Ende 33 Prozent sehr zufrieden und 52 Prozent zufrieden. Ähnlich erfreulich sahen die Antworten zum, bezahlbaren Wohnraum aus. 13 Prozent waren damit sehr zufrieden und immerhin 55 Prozent zufrieden. Nur zwei Prozent äußerten Unzufriedenheit. Auch mit der Sicherheit im öffentlichen Raum waren 12 Prozent sehr zufrieden und 55 Prozent immerhin zufrieden.

Verbesserungsbedarf sahen die Befragten allerdings im Bereich Mobilität, was die nicht sehr verwunderte. Nur sechs Prozent zeigten sich mit der Mobilität sehr zufrieden, 37 Prozent dahingegen unzufrieden und 36 Prozent sogar sehr unzufrieden. Auch die Frage nach der Zufriedenheit mit den Behörden und der öffentlichen Verwaltung sah nicht so positiv aus. Allerdings waren 24 Prozent zufrieden damit, 32 Prozent wussten nicht so genau, 22 wiederum waren unzufrieden und sogar 20 Prozent sehr unzufrieden.

Die Internetverbindung war letztendlich ein dritter Bereich, mit dem die Befragten weniger zufrieden waren. Während 32 Prozent eine „Teils-Teils“-Antwort gaben, äußerten sich immerhin 26 Prozent als zufrieden. 21 Prozent waren dahingehend unzufrieden und 15 sehr unzufrieden.

Was verbirgt sich nun im Prinzip hinter dem SOFI, das die Befragung in Eisdorf durchgeführt hat? Es ist einer von elf Standorten des neuen Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), einem. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziertem Forschungsverbund mit etwa 150 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen. Ziel des Instituts sind Forschungen zur Stärke und Gefährdung gesellschaftlichen Zusammenhalts unter dem Eindruck erheblicher sozialer Herausforderungen.

Das Regionalpanel ist ein wichtiges Projekt des FGZ. Hierfür haben sich die FGZ-Teilinstitute Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Leibniz-Universität Hannover, Universität Bielefeld und das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) zusammengetan. Hinter dem Fachbegriff „Regionalpanel“ verbirgt sich eine Einwohnerbefragung in insgesamt zwölf Städten und Dörfern in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Nordrhein-Westfalen zu mehreren Zeitpunkten.

Das SOFI ist für die Durchführung der Befragungen in Eisdorf und Einbeck verantwortlich. Mit den erhobenen Daten sollen Zusammenhänge zwischen lokalem Wandel und gesellschaftlichem Zusammenhalt erforscht werden. Das Forschungsinteresse des SOFI richtet sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf Aspekte regionaler Daseinsvorsorge. Für Eisdorf wurde sich als Befragungsort entschieden, weil sich dort interessante Aspekte sozialräumlichen Wandels zeigten. „Trotz demografischer und struktureller Veränderungen, durch die sich viele ländliche Räume herausgefordert sehen, hatte Eisdorf in den letzten Jahren einen Einwohnerzuwachs zu verzeichnen“, so Maike Simmak. Insgesamt sei es ein aktiver Ort, der sich durch ein reges Vereinsleben und innovative Projekte auszeichne. „Obgleich vor Ort ein Rückgang von Einrichtungen der Daseinsvorsorge und lokaler Versorgungsstruktur wie beispielsweise Lebensmittel und Handwerk stattfindet, stellten wir fest, dass die Menschen hier sehr zufrieden sind“.

Die Bewältigung dieser Ambivalenz zwischen Engagement und Strukturverlust in Eisdorf ermöglich aber wichtige Erkenntnisse über die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume.

Übrigens wird die Befragung Anfang 2023 zu bekannten aber auch neuen Themen rund um den Zusammenhalt in Eisdorf in die zweite Runde gehen. Alle Einwohner/innen ab 16 Jahren werden im Januar 2023 erneut zur Teilnahme eingeladen, um zu erfahren, ob sich im Laufe der Zeit die Meinungen geändert haben. pb